Was bedeutet Bioverfügbarkeit bei Magnesium?
Die Bioverfügbarkeit beschreibt, wie gut ein Nährstoff nach der Einnahme aufgenommen und dem Körper zur Verfügung gestellt werden kann. Magnesium liegt in Nahrungsergänzungsmitteln nicht als freies Element vor, sondern ist an einen Bindungspartner gekoppelt – zum Beispiel an Citrat, Glycinat oder Oxid.3
Für die Magnesiumaufnahme spielen mehrere Faktoren eine Rolle: die Löslichkeit der Magnesiumverbindung, die aufgenommene Menge, die Darreichungsform und individuelle Bedingungen im Magen-Darm-Trakt. Gut lösliche Formen werden dabei tendenziell vollständiger aufgenommen als schlecht lösliche.3 Deshalb ist eine einzelne pauschale Prozentzahl zur Bioverfügbarkeit oft weniger aussagekräftig als ein Vergleich unter gleichen Bedingungen.
Magnesium ist nicht gleich Magnesium: Welche Formen gibt es?
Magnesiumverbindungen lassen sich vereinfacht in organische und anorganische Formen einteilen. Organische Verbindungen wie Citrat, Bisglycinat und Malat sind an organische Säuren oder Aminosäuren gebunden. Anorganische Verbindungen wie Oxid oder Carbonat besitzen eine andere chemische Struktur und unterscheiden sich unter anderem bei Löslichkeit und Anteil an elementarem Magnesium.3
Welche Form sinnvoll ist, sollte deshalb nicht allein über Werbeaussagen zu Muskeln, Zähnen, Schlaf oder Energie entschieden werden. Für die Auswahl sind vor allem Verträglichkeit, tatsächlicher Magnesiumgehalt und die gewünschte Einnahmeform relevant.
Magnesiumbisglycinat oder Magnesiumglycinat
Bei Magnesiumbisglycinat ist Magnesium an die Aminosäure Glycin gebunden. Die Bezeichnung Magnesiumglycinat wird im Handel teilweise vereinfachend verwendet – häufig ist damit Magnesiumbisglycinat gemeint. Magnesiumbisglycinat gilt als gut bioverfügbar und gut verträglich.
Wer Magnesium-Kapseln oder Magnesium-Pulver mit Bisglycinat vergleicht, sollte trotzdem auf die Menge an elementarem Magnesium achten. Eine große Menge der Verbindung auf der Vorderseite einer Packung ist nicht automatisch gleichbedeutend mit derselben Menge Magnesium.
Magnesiumcitrat
Magnesiumcitrat ist eine organische Magnesiumverbindung, bei der Magnesium an Zitronensäure gebunden ist. Magnesiumcitrat ist gut wasserlöslich, wird rasch resorbiert und weist eine hohe Bioverfügbarkeit auf.3
Bei empfindlichen Personen kann Magnesiumcitrat in höheren Einzeldosen stuhlauflockernd beziehungsweise laxierend wirken.3,4 Das ist vor allem ein Aspekt der Verträglichkeit und keine allgemeine Empfehlung, Magnesiumcitrat zur Behandlung von Verstopfung einzusetzen.
Magnesiummalat
Magnesiummalat verbindet Magnesium mit Apfelsäure und zählt zu den gut aufnehmbaren organischen Magnesiumverbindungen.3
Malat ist Bestandteil verschiedener Stoffwechselprozesse. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Magnesiummalat Müdigkeit behandelt oder automatisch mehr Energie liefert.
Magnesiumtaurat, Magnesiumgluconat und Magnesium-L-Threonat
Neben Citrat, Bisglycinat und Malat gibt es weitere Magnesiumformen. Magnesiumtaurat ist an Taurin gebunden, Magnesiumgluconat an Gluconsäure und Magnesium-L-Threonat an Threonsäure.
Für Magnesium-L-Threonat wird damit geworben, dass es die Blut-Hirn-Schranke überwinden könne. Daraus lässt sich jedoch kein pauschaler gesundheitlicher Vorteil gegenüber anderen Magnesiumformen und keine allgemeine Wirkung auf Konzentration, Schlaf oder mentale Leistungsfähigkeit ableiten.
Magnesiumoxid und Magnesiumcarbonat
Magnesiumoxid ist eine anorganische Verbindung und enthält bis zu 60 Prozent elementares Magnesium. Gleichzeitig ist die Verbindung langsamer löslich und weist eine geringere bis mittlere Bioverfügbarkeit auf.3
elementares Magnesium enthält Magnesiumoxid – mehr als viele organische Formen. Gleichzeitig ist es schlechter löslich und wird geringer bis mittel bioverfügbar beschrieben.3
Nicht aufgenommene Magnesiumanteile können im Darm Wasser binden. Dadurch können bei höheren Mengen Magen-Darm-Beschwerden oder Durchfall auftreten.3,4
Magnesiumcarbonat ist ebenfalls eine anorganische Verbindung und reagiert im Magen mit Magensäure.3 Aus dieser chemischen Eigenschaft lässt sich jedoch keine therapeutische Empfehlung bei Sodbrennen oder anderen Erkrankungen ableiten.
Sind Magnesium-Kombinationen besser?
Einige Magnesiumpräparate kombinieren mehrere Magnesiumverbindungen, zum Beispiel Citrat, Bisglycinat und Malat.3 Eine solche Kombination kann praktisch sein, ist aber nicht automatisch besser als ein Produkt mit nur einer Magnesiumverbindung.
Beim Vergleich sollte deshalb nicht nur die Anzahl der enthaltenen Magnesiumformen zählen. Wichtiger sind die tatsächliche Menge an elementarem Magnesium, die Dosierung pro Kapsel oder Tablette, die Verträglichkeit und eine transparente Deklaration der Zusammensetzung.
Auch Kombinationen mit weiteren Mikronährstoffen wie Vitamin B6 machen ein Produkt nicht automatisch zum Testsieger. Entscheidend ist, ob die Zusammensetzung zum persönlichen Bedarf passt.
Welches Magnesium ist das beste? Der direkte Vergleich
| Magnesiumform | Typ | Einordnung | Worauf achten? |
|---|---|---|---|
| Magnesiumbisglycinat | organisch, Chelat | gut bioverfügbar und gut verträglich | elementare Magnesiummenge je Portion |
| Magnesiumcitrat | organisch, Salz | gut wasserlöslich, hohe Bioverfügbarkeit3 | kann bei höheren Einzeldosen stuhlauflockernd wirken3,4 |
| Magnesiummalat | organisch, Salz | gut aufnehmbar3 | keine pauschalen Wirkversprechen ableiten |
| Magnesiumtaurat | organisch, Chelat | organische Verbindung | nicht allein nach Anwendungsversprechen auswählen |
| Magnesiumgluconat | organisch, Salz | organische Verbindung | Verträglichkeit und Dosierung vergleichen |
| Magnesium-L-Threonat | organisch | wird mit Überwindung der Blut-Hirn-Schranke beworben | keine pauschale Überlegenheit ableiten |
| Magnesiumoxid | anorganisch | bis zu 60 % elementares Magnesium, geringere bis mittlere Bioverfügbarkeit3 | Löslichkeit und Magen-Darm-Verträglichkeit |
| Magnesiumcarbonat | anorganisch | reagiert mit Magensäure3 | keine therapeutische Wirkung daraus ableiten |
Die Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede der Magnesiumformen im Überblick. Einen allgemeinen Testsieger gibt es nicht.
Worauf sollte man beim Kauf von Magnesium achten?
Beim Magnesiumkauf ist die Bezeichnung der Magnesiumverbindung nur ein Teil der Entscheidung. Ein gutes Produkt sollte transparent zeigen, wie viel elementares Magnesium tatsächlich pro Tagesportion enthalten ist.
- Magnesiumverbindung: Welche Form ist enthalten und wie ist sie deklariert?
- Elementares Magnesium: Wie viel Magnesium liefert eine Kapsel oder Tablette tatsächlich?
- Dosierung: Wie viele Kapseln oder Magnesiumtabletten sind pro Tagesportion vorgesehen?
- Zusammensetzung: Werden weitere Mikronährstoffe oder Vitamin B6 zugesetzt?
- Zusatzstoffe: Welche weiteren Bestandteile enthält das Produkt?
- Verträglichkeit: Wie reagiert der eigene Magen-Darm-Trakt auf die gewählte Form?
- Darreichungsform: Kapseln, Tabletten oder Pulver sollten zum persönlichen Alltag passen.
Wer verschiedene Magnesiumprodukte vergleicht, sollte deshalb nicht nur nach Schlagworten wie „hoch bioverfügbar“ oder „Testsieger“ auswählen. Ein sinnvoller Vergleich berücksichtigt die gesamte Zusammensetzung und die tatsächliche Magnesium-Dosierung.
Welche Darreichungsform ist sinnvoll?
Magnesium ist als Pulver, Magnesium-Kapseln und Magnesiumtabletten erhältlich. Die Darreichungsform verändert nicht automatisch die grundsätzlichen Eigenschaften der enthaltenen Magnesiumverbindung.
Kapseln können praktisch sein, wenn eine klar portionierte Einnahme gewünscht ist. Tabletten unterscheiden sich je nach Zusammensetzung und Zusatzstoffen. Pulver ermöglichen eine flexible Portionierung – die tatsächliche Dosierung muss dabei besonders genau beachtet werden.
Was ist bei der Magnesium-Dosierung zu beachten?
Welche Magnesiumform gewählt wird und wie viel Magnesium eingenommen wird, sind zwei unterschiedliche Fragen. Der Magnesiumbedarf beschreibt die gesamte tägliche Zufuhr aus Nahrung und gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmitteln. Die Magnesium-Dosierung eines Präparats beschreibt dagegen die zusätzliche Menge aus Kapseln, Tabletten oder Pulver.
Die DGE nennt für erwachsene Frauen einen Schätzwert von 300 mg Magnesium pro Tag und für erwachsene Männer 350 mg pro Tag. Auch die EFSA verwendet für erwachsene Frauen beziehungsweise Männer entsprechende Adequate-Intake-Werte von 300 beziehungsweise 350 mg täglich.1,2 Diese Werte beziehen sich auf die gesamte tägliche Magnesiumzufuhr und nicht auf die Dosierung eines einzelnen Magnesiumpräparats.
betragen die Schätzwerte von DGE und EFSA für die gesamte tägliche Magnesiumzufuhr bei Erwachsenen (Frauen 300 mg, Männer 350 mg) – nicht die Dosierung eines einzelnen Präparats.1,2
Eine höhere Dosierung bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirkung oder Magnesiumaufnahme. Bei Nahrungsergänzungsmitteln können höhere Mengen je nach Verbindung zu Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall führen.4 Wie viel Magnesium am Tag grundsätzlich sinnvoll ist, behandeln wir getrennt von der Frage nach der besten Form im Beitrag Wie viel Magnesium am Tag?.
Auch bei einem vermuteten Magnesiummangel sollte die Einnahme nicht allein anhand einzelner Beschwerden festgelegt werden – die Frage, wie sich ein Magnesiummangel bemerkbar macht, behandeln wir in einem eigenen Artikel. Wer Medikamente oder mehrere Mikronährstoffe gleichzeitig einnimmt, sollte außerdem mögliche Abstände und Wechselwirkungen berücksichtigen: Was darf nicht zusammen mit Magnesium eingenommen werden?
Welche Rolle spielt Magnesium unabhängig von der Magnesiumform?
Bei der Frage nach der besten Form darf ein Punkt nicht vergessen werden: Die unterschiedlichen Magnesiumverbindungen unterscheiden sich zwar bei Eigenschaften wie Löslichkeit, elementarem Magnesiumgehalt oder Aufnahme – die grundlegenden Funktionen von Magnesium im Körper beziehen sich jedoch auf den Mineralstoff selbst.
Magnesium ist unter anderem an Prozessen in Nerven- und Muskelzellen sowie an zahlreichen enzymatischen Vorgängen beteiligt.1,2 Die Wahl zwischen Magnesiumcitrat, Magnesiumbisglycinat, Magnesiumoxid oder einer anderen Verbindung verändert diese grundlegende Rolle von Magnesium nicht.
Magnesium aus Nahrung oder Präparat?
Magnesium muss nicht ausschließlich über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Viele Lebensmittel liefern den Mineralstoff ebenfalls. Welche Lebensmittel besonders viel enthalten, beantworten wir separat im Beitrag Wo ist am meisten Magnesium drin?.
Wenn du dich für das Zusammenspiel verschiedener Mineralstoffe interessierst, findest du zusätzliche Informationen in unserem Beitrag Magnesium und Kalium: Warum brauchen wir sie?.
Was gilt in der Schwangerschaft?
In Schwangerschaft und Stillzeit sollten Magnesiumpräparate nicht allein aufgrund allgemeiner Produktempfehlungen ausgewählt oder dosiert werden. Die Frage Warum kein Magnesium in der Schwangerschaft? behandeln wir deshalb separat und mit Blick auf die besonderen Rahmenbedingungen dieser Lebensphase.
Was hat Magnesiumstearat mit Magnesiumpräparaten zu tun?
Bei der Zutatenliste kann außerdem der Begriff Magnesiumstearat auftauchen. Magnesiumstearat ist jedoch nicht gleich Magnesium in Form eines Nahrungsergänzungsmittels – es handelt sich um einen anderen Stoff, der unter anderem als technologischer Hilfsstoff eingesetzt werden kann. Mehr dazu erklären wir im Beitrag Magnesiumstearat: Schlechter Ruf ohne Grund?.
Fazit: Welches Magnesium ist das beste?
Das eine beste Magnesium für jeden Menschen gibt es nicht. Organische Magnesiumformen wie Magnesiumcitrat, Magnesiumbisglycinat und Magnesiummalat zeichnen sich durch eine gute Verfügbarkeit aus, während Magnesiumoxid einen hohen Anteil an elementarem Magnesium liefert, aber langsamer löslich ist.3
Für die praktische Auswahl sind daher mehrere Punkte entscheidend: die Magnesiumverbindung, die Menge an elementarem Magnesium, die Dosierung, die Verträglichkeit, die Darreichungsform und eine transparente Zusammensetzung. Ein pauschaler Testsieger ist deshalb wenig sinnvoll.




